top of page

Verlag oder SP? Welchen Weg gehe ich als neuer Autor, neue Autorin?

Aktualisiert: 25. Aug. 2023

Das Manuskript ist fertig!


Wenn man vor hat, ein Buch zu schreiben, oder es bereits fertiggestellt geschrieben hat, dann stellt sich zwangsläufig die Frage: Wie geht es nach Abschluss der Geschichte weiter?

Viele, die ein Buch schreiben, sehen in ihrem Alltag lediglich die Oberfläche des Buchmarktes. Sie gehen als Kunden zu Thalia und greifen sich das Buch, welches auf dem vordersten Tisch liegt. Sie sichten den Einband, das Titelbild, den Autornamen und sie sehen auch den Verlag, der das Buch herausgebracht hat. Alle Bücher haben einen Verlagsnamen auf dem Einband. Also muss ein Buch von einem Verlag veröffentlich werden. Schlussfolgerung: Das ist etwas Natürliches. Antwort: Nein.


Das, was wir im lokalen Handel sehen, ist lediglich die Spitze des Eisbergs im Büchermarkt. Und dabei spiele ich nicht nur auf die unzähligen Selfpublisher ohne Verlag an. Es gibt viele Verlage, von denen ihr wahrscheinlich noch nie etwas gehört habt. Und es gibt Verlage, die gar keine sind! Was hat das zu bedeuten? Ganz einfach. Auch Verlage nehmen Pseudonyme an, wenn sie in einem Genre publizieren, der ihrem eigentlichen Marketing Image nicht entspricht. Ein Beispiel dafür sind z.B. Imprint von großen Verlagen.

Was bedeutet das also für Autoren? In erster Linie müssen wir uns genau überlegen, an welchen Verlag oder Imprint wir unser Manuskript schicken. Aber es ist auch wichtig zu wissen, dass jeder Verlag andere Konditionen für seine Autoren anbietet und die Qualität dieser extrem unterschiedlich sind. Ein kleines Imprint von einem großen Verlag wird nicht die gleichen Konditionen und Qualitäten anbieten, wie der Dachverlag. Und hier kommt der Haken, der uns wieder in den Handel führt: In den Buchläden sind oft lediglich die großen Verlagsketten anzutreffen. Die haben einfach das Geld und die Marketingreichweite, um BuchhändlerInnen auf Neuerscheinungen aufmerksam zu machen. Von diesen gibt es auch Vertreter, die den Läden ab und zu einen Besuch abstatten und anstehende Neuerscheinungen im Voraus präsentieren. Das kann nicht jeder Verlag leisten und schon gar kein Selfpublisher, logischerweise.


Wer also mit dem Gedanken spielt über einen Verlag zu veröffentlichen oder ins SP zu gehen, der muss sich genau darüber informieren, welche Konditionen er zustimmt und was er von seinem Verlag einfordern kann.


Verlage bringen Vorteile, und Nachteile


Wie schon im letzten Abschnitt erwähnt, sollte man bei den vertraglichen Konditionen eines Verlags genau hinschauen. Es kann sein, dass dieser dem Autor einen Großteil der Rechte abspricht. Das ist auch verständlich. Ein Verlag ist im Normalfall bestrebt, ein einheitliches Portfolio zu generieren. Aus diesem Grund hat der Autor meist auch kein Mitspracherecht beim Cover.

Aber auch im Manuskript selbst wird der Autor so einiges abändern müssen. Bist du mit deiner Story zufrieden und hast vielleicht schon positive Rückmeldungen von Testlesern erhalten? Pech gehabt (Ich drück mich hier mal übertrieben schnippisch aus). Denn die meisten Verlage haben ihr eigenes Qualitätsmanagement und im schlechtesten Fall eine Verantwortliche, die denkt, sie kennt den Buchmarkt wie ihre Hosentasche. Jeder Autor muss dann zwangläufig seinem "Baby" eine Geschlechtsumwandlung unterziehen (mal metaphorisch ausgedrückt), ob er nun will oder nicht. Das ist im Selfpublishing nicht der Fall. Dort kann jeder Autor selbst entscheiden, was er an seinem Manuskript ändert oder nicht, mit nicht zu vernachlässigen Folgen (Ich spiele hier auf einige doppelte Wörter in einer meiner Veröffentlichungen an, die ich selbst zu verschulden hatte).

Die Umarbeitung muss nicht unbedingt etwas schlechtes für die Geschichte eines Buches bedeuten. Denn ein Verlag vereint viele Erfahrungen und hat die nötigen Ressourcen, den Markt einzuschätzen. Es gibt mittlerweile auch Verlage, die mit ihren Veröffentlichungen Risikobereiter sind, denn auch sie passen sich dem Markt an.


Verlage bieten vor allen Dienstleistungen, die für uns arme Autoren mitunter recht kostspielig sind. Das Cover war nur ein Beispiel. Oft wird auch ein Lektorat finanziert und natürlich ein Korrektorat. Das können dann mal gute 2500€ Ersparnis sein für den Autor.


Marketing ist so eine Sache. Oft geht diese bei mittelgroßen und kleinen Verlagen unter, da das Budget fehlt. Das muss der Autor dann selbst machen und bezahlen, von Margen, die meist niedriger sind, als die im Selfpublishing!

Marketing bedeutet auch, dass man sein Buch in den Buchläden selbst anpreisen muss. Man muss Klinkenputzen. Denn wie oben bereits erwähnt, hat ein mittlerer oder kleiner Verlag nicht immer bessere Sichtbarkeitsvorteile! Auch nicht bei den Buchläden!


Dann gebe ich zu bedenken, dass man sich bei Problemen, die die Distribution betreffen, als Autor immer nur an den Verlag wenden kann und nicht an die Druckerei. Unterhält der Verlag einen anständigen Support, der auch Antwortet und die Probleme zeitnah löst?


Dies sind alles Punkte bei Verlagen, die man als Autor zu bedenken hat und ich habe bestimmt noch etwas vergessen. Ein Verlag ist kein All-Inklusive-Urlaub für Autoren, in dem man alles serviert bekommt und einem die Verkaufszahlen nur so um die Ohren fliegen! Bedenkt das!


Etwas sehr Wichtiges, mit dem Verlage punkten können, ist das Remissionsrecht. Sprich, die Buchläden können nicht verkaufte Bücher zurücksenden, wenn sie nicht verkauft werden. Das reduziert das Risiko für kleinere Läden enorm und sie sind offener dein Buch ins Sortiment zu nehmen (meiner Erfahrung nach).


Unterm Strich bieten Verlage ein umfangreiches Spektrum an Möglichkeiten. Aber bitte, schaltet nicht euer Hirn ab und jagt dem Hasen nach. Ein Autor muss dennoch viel selbst erledigen und Planen!


Und Selfpublishing, was ist das? Alles Loser, die kein Verlag haben wollte.


Die Überschrift ist provokant, ja. Aber so denken viele, auch wenn es zum Glück immer weniger werden. Oft ist diese Meinung bei Ausgebildeten Buchhändlern stark vertreten. Warum ist mir ein Rätsel. Vielleicht liegt es an der Fokussierung der Ausbildung. Wer weiß ...


Falsch ist die Annahme: Im Selfpublishing muss die Autorin alles selbst machen.

Das wäre ja fatal. Nicht jeder kann Covern oder Lektorieren usw. Im Selfpublishing muss man jedoch viel organisieren können und in der Lage sein Angebote einzuholen. Man muss Prioritäten setzen können. Und man muss das wagen, was sich Verlage nicht trauen.


Abseits des Schreibens, muss man sich Vieles aneignen. Erstellst du deine Cover selbst? Machst du deinen Buchsatz selbst? Man kann jedoch auch alles abgeben, was sehr teuer wird, besonders, wenn es in den Marketingbereich geht.

Mittlerweile gibt es jedoch extrem viele Erfahrungsberichte und Tutorials, auf die angehende Autoren zurückgreifen können.


Die genannten Punkte sind Vorteile, wie auch Nachteile in einem. Die Masse an Möglichkeiten lassen viele Autoren einfach verzweifeln, besonders wenn man anfällig für: DAS MUSS DU ABER SO MACHEN ist. Als Autorin musst du in der Lage sein, deine eigene Kosten-Nutzen-Rechnung aufzustellen. Was lohnt sich, was nicht. Im Prinzip bist du dein eigener Verlag und übernimmst dessen Aufgaben nun in Persona.


Habt ihr Bücher von SPs gelesen? Dann wird euch nicht nur Positives Auffallen. Der erste Blick macht schon viel aus. Dabei ich die Geschichte irrelevant. Es fängt schon beim Buchsatz an, beim Cover und Layout. Ich persönlich würde bei meinem Debüt heute einiges anders machen! Aber ich weiß auch, dass ich es damals noch nicht gewusst habe. Perfektion ist ein großes Hindernis bei SPs und verhindert mitunter, dass sie überhaupt eine Veröffentlichung machen.


Als SP wirst du dich unweigerlich mit einigen Stereotypen auseinandersetzen müssen, wie die in der Überschrift. Und zum Teil stimmen diese auch. Das gilt aber auch für Verlage. Man kann nur das machen, was einem sein Wissen bietet. Deshalb ist der Austausch unter SPs wichtig. Aber auch für Verlagsautoren. Ich bin überzeugt, wir könne viel voneinander lernen.


Ich kann aufgrund des Umfangs der einzelnen Punkte nicht auf alles hier in diesem Artikel eingehen, aber ich kann euch versichern: Es lohnt sich ein Buch im SP zu veröffentlichen. Der Prozess, die Schritte zur Fertigstellung eines Buches selbst zu gehen und zu organisieren, sind essenziell für einen Autoren. Ich persönlich bin davon überzeugt, dass man so auch bessere Chancen und Konditionen bei Verlagen hat. Man lernt den Buchmarkt kennen, man lernt das Handwerk des Autors, der Autorin von Grund auf.


Ich kann mir vorstellen, dass man als Autor, der schon Werke via SP veröffentlicht hat und eine Fangemeinde aufweisen kann, auch bessere Chancen hat, von einem Verlag genommen zu werden. Durch die Bekanntheit der Autorin reduziert sich das Risiko des Verlags. Das ist zu bedenken.


Nicht desto trotz ist das SP ein hart umkämpfter Markt. Man wird von angeblichen Fachpersonal in Buchhandlungen belächelt und ignoriert. Das ist oftmals traurig, denn mittlerweile ist das SP ein etablierter Bereich im Buchmarkt geworden.


Was also machen?

Einen richtigen Weg gibt es nicht. Ob nun Verlag oder SP, alles hat Vorteile und Nachteile.

Ich habe in diesem Artikel immer von SPs und Verlagsautoren gesprochen. Das ist eigentlich falsch. Wir sind alles Autoren. Egal ob Verlag oder nicht. Denn wer sagt, dass ich als SP nicht mein nächstes Buch im Verlag veröffentliche und dann wieder andersherum? Die Strategie, die man verwendet, um sich eine Lesergemeinschaft aufzubauen, ist vielfältig.



Habt ihr weitere Fragen? Seid ihr anderer Meinung? Dann schreibt im Forum oder mir persönlich. Auch ich habe nicht alle Weisheit mit der Streitaxt gefressen, auch wenn ichs gern so hätte!


Und hier ist noch die wichtigste Eigenschaft, die ihr als Selfpublisher haben solltest: Seid aufgeschlossen, versucht zu lernen und vernetzt euch mit anderen!


Bis dahin


Euer Matthias

32 Ansichten1 Kommentar

1 Comment


Unknown member
Aug 25, 2023

Es sei hier nochmal angemerkt, dass ich den Artikel umgeschrieben hatte. Er ist schon älter und damals mehr auf die SP fokussiert. Das Copy & Paste und Umschreiben hat hier nicht geklappt. Internet ahoi!


Ich habe den Artikel dann nochmal überarbeitet ...

Like
bottom of page