top of page
  • AutorenbildD.Snow

Schreibtempo - was bestimmt das Tempo beim Lesen und Schreiben?

Wie macht man einen Text lebendig? Und wie sieht es mit dem Tempo aus?


An alle angehenden Autoren, sei es SPler oder Verlagsleute – ihr habt euch vielleicht schon gefragt, wie man einen Text lebendig gestaltet, welche grundlegenden stilistischen Mittel es gibt und wie diese sich auf euren Text auswirken. Ihr kennt die schon? Super, dann ist ja alles in Butter! Ihr seid dennoch neugierig? Na, dann nix wie lesen.


Kurze oder lange Sätze?


Jeder Autor hat hier seine eigenen Eigenarten und schreibt mehr oder weniger kompliziert. Prinzipiell gilt aber: Je kürzer, desto mehr Tempo bringt ihr in den Text. Das hilft, den Text flüssig zu halten und animiert zum Weiterlesen. Aber Vorsicht: Zu kurze Sätze können schnell als „billig“ abgetan werden und reflektieren keinen hochwertigen Schreibstil. Euer Leser stumpft dabei schnell ab und könnte sich irgendwann langweilen. Dementsprechend solltet ihr diese Sätze sparsam einsetzen, bevorzugt dann, wenn Action am Start ist, wenn es um Höhepunkte und dramatische Momente geht. Denn dann braucht ihr Tempo und wollt den Leser auf Teufel komm raus an der Stange halten. Dann machen diese Sätze Sinn.

Längere und verschachtelte Sätze hingegen nehmen Tempo raus, was in ruhigeren Szenen und insbesondere bei Beschreibungen hilfreich sein kann. Generell bestimmen diese Satzstrukturen euer Tempo. Am besten funktioniert eine gute Mischung der beiden Satztypen, das bringt zusätzlich Abwechslung in euren Text, was ebenfalls zur flüssigen und guten Lesbarkeit beiträgt.


Aktiv oder passiv?


Ähnlich verhält es sich bei aktiv und passiv. Hier kann man sich leicht denken: Aktiv lässt euch „dabei sein“ und die Szenarien erleben. Verzichtet in actionreichen Sequenzen auf passiv, das kann euch sehr viel Tempo kosten. Generell würde ich empfehlen, dieses Stilmittel nicht allzu oft zu nutzen, denn es hält den Leser fern vom Text. Wichtige Ereignisse würde ich daher immer im Aktiv beschreiben.


Beschreibungen?


Wie viel ist gut? Das ist sicherlich Ermessenssache. Jeder macht es anders. Aber als in einem neumodischen Roman drei Seiten hintereinander der Marktplatz von Paris beschrieben wurde, legte ich das Buch aus der Hand, weil ich ultimativ genervt war (wahre Begebenheit). Beschreibungen machen die Geschichte lebendig und entführen eure Leser in andere Welten, aber wenn sie zu ausufernd werden, nehmen auch sie Tempo raus. Also überlegt euch – was brauche ich wirklich und was kann eventuell weichen?


Was hat sie die ganze Zeit mit ihrem Tempo?


Tempo ist natürlich nicht alles. Ein Roman, der zu gehetzt wirkt, wird vermutlich genauso negative Rezensionen bekommen wie einer, der zu langatmig ist. Die Kunst besteht darin, das richtige Mittelmaß zu finden. In ruhigen Szenen dürfen die Sätze länger und auch mal verschachtelt sein, man darf träumen und sich andächtig in ausgeklügelten Beschreibungen verlieren, sich seine eigene Welt erschaffen und sich von den Emotionen mitreißen lassen. Das macht die Magie eines Buchs schließlich aus. Soll die Geschichte Fahrt aufnehmen, haben derartige Sätze allerdings zurückzustehen.


Ich hoffe, ich habe damit ein paar Anregungen gegeben. Wir sehen uns bald wieder ;)

17 Ansichten1 Kommentar

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Die Kunst der Atmosphäre (by Martyria.Books)

Liebes Autorenkollektiv, heute unterhalten wir uns über ein Thema, das mir in meinen eigenen Schreibprozessen sehr wichtig ist: das Aufbauen einer dichten Atmosphäre in Fantasyromanen. Als Autor streb

Character-Building Leitfaden by Martyria.Books

Schritt 1: Beobachtung Der Schlüssel zu glaubwürdigen und fesselnden Charakteren liegt oft in unserem alltäglichen Leben. Es ist jedoch äußerst hilfreich, sich dessen bewusst zu werden und mit off

World-Building Leitfaden (by Martyria.Books)

Das Worldbuilding: Das Worldbuilding ist so eine Art Steckenpferd von mir. Ich möchte gerne mit euch teilen, wie ich dabei vorgehe. Beachtet bitte, dass meine Erklärungen nicht den Anspruch auf profe

1 commentaire


Membre inconnu
27 août 2023

Was D. Snow über die Länge von Sätzen geschrieben hat, ist essentiell. In einer temporeichen Aktion Szene kann man mit kurzen prägnanten Sätzen stilistisch Aufregung erzeugen.

Bei der Gestaltung des Textes sollte man als Autor auch zukünftige Projekte im Blick behalten. Denn wenn man mit dem Gedanken spielt, das Buch auch als Hörbuch zu vertreiben, dann sind zu viele kurze oder mitunter sogar mittellange Sätze schwieriger umzusetzen. Die Aussprache hört sich nicht mehr natürlich an. In diesem Fall muss ein Autor in sein Manuskript noch einiges an Arbeit stecken, um es "vertonbar" zu machen.

Lest selbst einmal einen Abschnitt laut und ruhig mit Betonung und verschiedenen Stimmlagen vor. Dann merkt ihr schnell, ob ihr dem Text mit einer natürlichen Aussprache…

J'aime
bottom of page